Heicumed
Heidelberger Curriculum Medicinale

Lehrkonzept Heicumed

Auf der Grundlage der 8. Novelle der Approbationsordnung hat die Medizinische Fakultät Heidelberg seit 1997 eine umfassende Studienreform im klinischen Bereich diskutiert und erarbeitet. Nach dem Scheitern der Novellierung beschloss sie, die Studienreform auch unter der bestehenden Ausbildungsordnung voranzutreiben und zu etablieren.

Mit der Studienreform strebte die Fakultät insbesondere folgende Ziele an:

 

  • eine Verbesserung des Praxisbezugs sowie eine stärkere Vermittlung von sozialer und kommunikativer Kompetenz;
  • Motivationssteigerung und Stärkung der Eigeninitiative bei den Studierenden;
  • Berücksichtigung des wissenschaftsorientierten Profils der Fakultät durch explizite Ausweisung einer zusammenhängenden Forschungsperiode in der Grundausbildung;
  • eine Verkürzung der Studienzeiten;
  • eine Anpassung an internationale Standards und eine Erleichterung des studentischen Austauschs.

 

Im Rahmen dieser Zielvorstellungen entwickelte die Fakultät für das klinische Studium ein modulares themenzentriertes Kursrotationsprogramm „HEICUMED“ (Heidelberger Curriculum Medicinale). HEICUMED basiert auf einem zusammenhängendem Studienjahr mit einer längeren Unterbrechung nur noch in der Sommerpause und mit einmaliger Zulassung im Oktober, wie es im europäischen Ausland üblich ist.

 

HEICUMED sieht den Aufbau des klinischen Curriculums in 5 Themenblöcken von 13 bis 20 Wochen Dauer vor, die ihrerseits wieder in je 4 bis 5 Kursmodule von 2 bis 4 Wochen Dauer unterteilt sind. Die Studierenden rotieren in Gruppen von 25 bis 55 Teilnehmern durch die Module. Je Kursmodul werden zwischen 4 und 6 Stunden an betreutem anwesenheitspflichtigem Unterricht täglich angeboten. Die Kursmodule müssen 5- bis 10- mal jährlich angeboten werden, um eine durchgehende tutorielle Betreuung der Studierenden in kleinen Gruppen zu gewährleisten.

 

Inhaltlich stellen die Kursmodule auf die Vermittlung des Wissens und der Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, die für den Arzt für Allgemeinmedizin essentiell sind. Den Rahmen bilden tägliche Seminare und Vorlesungen über grundlegende Leitsymptome sowie Tutorien, in denen fallbasiert und orientiert an den Leitthemen die Grundprinzipien der Diagnostik und Therapie erarbeitet werden. In alle klinischen Module integriert, werden die Bereiche spezielle Pathologie, spezielle Pharmakologie, Genetik und bildgebende Verfahren angeboten.

 

Im Rahmen von HEICUMED ist die Einführung und Erprobung neuer Lehr- und Prüfungsformen wie

 

  • POL
  • Kommunikations- und Interaktionstraining an Standardisierten Patienten
  • OSCE
  • CBT und Einsatz Neuer Medien

vorgesehen. Jedes Modul schließt mit mündlich-praktischen Prüfungen und ggf. Wissenstests ab. Die Studierenden sind somit einer fortlaufenden Leistungskontrolle unterworfen.

 

Zur Schulung ihrer Dozenten in neuen Lehr- und Lernformen ging die Fakultät 1999 ein mehrjähriges Kooperationsabkommen mit der Harvard Medical School ein. Im Rahmen dieses Abkommens wurden seit 1999 bisher 32 Mitglieder der Fakultät in mehrwöchigen Tutorien in Boston ausgebildet. Diese Dozentengruppe bildet den Arbeitskreis der Modulkoordinatoren, der im Auftrag der Studienkommission die Studien- und Stundenpläne für HEICUMED entwickelt. Ab September 2001 hat die Fakultät zunächst noch in Zusammenarbeit mit Harvard und dem Institut für Erwachsenenbildung Heidelberg die Schulung ihrer Dozenten selbst übernommen. Sie führt jeweils im März und September eigene Tutorien für jeweils 40 Mitarbeiter durch.

 

Der Programmaufbau von HEICUMED impliziert für die Studierenden eine Trennung von klinischem Studium und wissenschaftlicher Arbeit. Das ganzjährig durchlaufende Kursprogramm schafft einen zusammenhängenden Freiraum von 10 Monaten für die wissenschaftliche Tätigkeit, der innerhalb des klinischen Programms frei wählbar ist und selbstverständlich verlängert werden kann. Der Ausweis dieses Freiraums innerhalb der Mindeststudienzeit war ein vordringliches Anliegen bei der Studienreform. Wegen des hervorragenden wissenschaftlichen Umfeldes zeichnet sich der Standort Heidelberg durch eine hohe Promotionskultur aus. Die wissenschaftliche Arbeit während des Studiums ging jedoch in der Vergangenheit entweder zu Lasten der klinischen Ausbildung oder der Studiendauer. In vielen Bereichen werden Dissertationen nur noch mit der Auflage vergeben, dass die Studierenden sich ein bis drei Halbjahre vom Studium freistellen lassen.

 

HEICUMED startete am 15.Oktober 2001. Der Umstellungsprozess wird im Februar 2003 abgeschlossen sein. Zur Zeit werden die Anforderungen der neuen Approbationsordnung in heicumed eingearbeitet. Da HEICUMED auf der Basis der 8.Novelle der ÄappO aus dem Jahr 1997 konzipiert wurde, ist die Anpassung an die neue ÄappO vergleichsweise problemlos. Das nachfolgende Schaubild zeit das Modulprogramm von heicumed bereits in der Version der Anpassung an die neue ÄappO.

 

Die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Programm sind gut. Die Studierenden begrüßen insbesondere die Rotation in festen „Klassenverbänden“ und die gute Betreuung mit einem festen Ansprechpartner während der Kursmodule. Jedes Kursmodul wird von jeder Rotationsgruppe kurz evaluiert, so dass Verbesserungen sich schnell umsetzen lassen und unmittelbar bereits der nächsten Gruppe zugute kommen können.

 

Im Vorfeld der Einführung von HEICUMED hatte die Fakultät die Firma ScienceConsult mit der externen Online-Evaluierung des ersten und zweiten klinischen Studienabschnitts nach dem alten Curriculum beauftragt. Über jeden dieser Studienabschnitte liegen zwei Evaluierungen aus den Jahren 2000 und 2001 vor. Das neue Programm wird nach den gleichen Kriterien abschnittweise evaluiert werden. Eine weitergehende Beurteilung kann erst nach Durchführung dieser Evaluationen im Jahr 2003 vorgenommen werden.