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Nummer: 97/2017 vom 15.09.2017

Wenn die Luft wegbleibt: Neues zu Asthma

Prof. Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, spricht bei Medizin am Abend zum Thema Asthma.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Die Anzahl der Asthmatiker in Industrieländern steigt seit Jahren. Warum das so ist, welche Arten von Asthma es gibt und wie sie behandelt werden, erklärt Professor Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, am 20. September 2017 bei "Medizin am Abend".


Wer unter allergischem Asthma leidet, kennt es: Sobald der Pollenflug startet oder auch Hausstaub in der Luft liegt, macht die Lunge dicht. Seit Jahren steigt die Anzahl der Betroffenen. "Wir leben zu hygienisch", benennt Professor Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, den wahrscheinlich wichtigsten Grund für diese Entwicklung. "Das haben inzwischen mehrere Studien gezeigt. Auf Hygiene zu verzichten, ist allerdings keine Option. Wir werden daher wohl damit leben und umgehen müssen." Vermeiden lassen sich allerdings - jedenfalls in gewissem Umfang - andere Arten von Asthma, die beispielsweise durch Zigarettenrauch, Feinstaubbelastung oder Übergewicht begünstigt werden. In seinem Vortrag bei "Medizin am Abend" am Mittwoch, 20. September 2017, wird der Lungenspezialist über aktuelle Erkenntnisse zu Entstehung und Behandlung von Asthma sprechen und seinen Zuhörern auch einige Tipps zum Umgang mit der chronischen Atemwegs­erkrankung mit auf den Weg geben. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Asthma bronchiale, einer chronischen Überempfindlichkeit der Atemwege. Es gibt sowohl allergisches als auch nicht-allergisches Asthma, oft liegen Mischformen vor. Als Reaktion auf allergie­auslösende oder andere reizende Stoffe in der Atemluft verengen sich die Bronchien, die Schleimhäute der Atemwege schwellen an und sondern verstärkt Sekret ab, es entsteht eine chronische Entzündung. Dies kann sich in Kurzatmigkeit, Reizhusten, Engegefühl in Brust oder Hals, Atemgeräuschen sowie anfallsartiger Atemnot äußern. Bei den meisten Betroffenen klingen die Beschwerden entweder spontan oder nach Behandlung mit passenden Medikamenten wieder ab.

 

Die Gründe für die Zunahme des allergischen Asthmas insbesondere in den Industrienationen wurden bereits in mehreren Studien untersucht. 2016 beispielsweise veröffentlichten Wissenschaftler aus den USA eine interessante Vergleichsstudie, in der sie die Allergie- und Asthmaanfälligkeit zweier sehr traditionell lebender Bevölkerungsgruppen, der Religionsgemeinschaften der Amischen und der Hutterer, unter die Lupe nahmen. Während die Amish People technischen Fortschritt weitgehend ablehnen und Landwirtschaft auf althergebrachte Weise betreiben, setzen die Hutterer bei ansonsten vergleichbarer Lebensweise auf modernste Technik bei Feldarbeit und Viehhaltung. Der Unterschied in der Anzahl der Schulkinder, die unter Asthma leiden, ist beachtlich: Bei den Hutterern ist ungefähr jedes fünfte betroffen, bei den Amishen nur jedes zwanzigste. Durch die hochtechnisierte Landwirtschaft kommen die Kinder der Hutterer nachweislich mit deutlich weniger Mikroben in Kontakt. "Aber genau diese frühe Konfrontation des Immunsystems mit verschiedenen Keimen scheint vor Allergien zu schützen. Ähnliches hat man beim Vergleich von in der Stadt und ländlich aufwachsenden Kindern in Deutschland entdeckt", so Herth.

 

Die höhere Feinstaubbelastung oder andere Luftverschmutzung in städtischen Regionen spielt dagegen bei der Entstehung des allergischen Asthmas eher keine Rolle, wohl aber beim späteren Auftreten eines nicht-allergischen Asthmas (z.B. Late-onset Asthma). "Je kleiner die Partikel, desto schwerer kann die Lunge sie wieder hinaus befördern. Nanopartikel setzen sich an den Schleimhäuten fest und irgendwann macht sich das in Form von Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen bemerkbar", so der Experte. Diesen Effekt hat auch Zigarettenrauch. Vor allem Kinder rauchender Eltern tragen ein erhöhtes Risiko, teils Jahre später an Asthma zu erkranken. Noch eine weitere Form von Asthma ist in Deutschland auf dem Vormarsch: das "Obesity Asthma", das durch starkes Übergewicht zwar nicht hervorgerufen, aber durch den Fettstoffwechsel gefördert wird.

 

In der Therapie müssen solche Begleitumstände daher mit berücksichtigt werden. Moderne Diagnostik ermöglicht heute sogar die Einteilung in molekulare Subtypen bei allergischem Asthma, je nachdem, welche Zellen und Signalketten in den Schleimhäuten des einzelnen Patienten aktiv sind. Diese können dann gezielt ausgebremst werden - personalisierte Therapie lautet das Schlagwort. Sinnvoll ist eine solch komplexe Behandlung allerdings nur bei schwerem Asthma, das nicht auf die üblichen Medikamente anspricht. "Asthma-Therapie ist heute nicht mehr gleich Asthma-Therapie, da sich die Ausprägung im Laufe des Lebens verändert und von verschiedenen äußeren und auch inneren Faktoren wie dem Stresspegel abhängt. Ärzte sollten daher flexibel sein und Patienten nach Möglichkeit die Therapie selbst kontrollieren lassen", betont der erfahrene Kliniker. Im Vortrag wird er erläutern, auf was Patienten dabei achten müssen und welche Behandlung wann angezeigt ist.

 

Weitere Informationen im Internet:

www.medizin-am-abend.de


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