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Nummer: 114/2017 vom 25.10.2017

Vom Baby lernen: Seit zehn Jahren übernehmen Heidelberger Medizinstudenten Patenschaften für Neugeborene

Zehn Jahre PäPP - und die ganze Familie feiert: Medizinstudenten mit ihren Patenkindern, Familien, Kinderärzte und Lehrbeauftragte.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Medizinstudenten feiern mit ihren "Patenkindern" zehnjähriges Jubiläum / Erfolgreiches Lehrprojekt am Universitätsklinikum Heidelberg: Angehende Ärzte begleiten Kinder in ihren ersten beiden Lebensjahren


Was die Entwicklung eines Kindes bedeutet, in welchen kleinen und manchmal auch großen Schritten ein Neugeborenes zum Kleinkind wird, können Heidelberger Medizinstudenten seit mittlerweile zehn Jahren im Rahmen des Lehrprojekts "Pädiatrisches Patenschaftsprojekt Prävention" (PäPP) erfahren. Als Paten begleiten sie "ihre" Kinder und deren Eltern zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt und besuchen die Familien mehrmals zuhause. Bisher nahmen je 160 Studenten und Familien und jährlich sechs bis acht niedergelassene Kinderärzte aus dem Rhein-Neckar-Raum am PäPP teil. Das zehnjährige Bestehen der erfolgreichen Kooperation feierten Medizinstudenten, ihre Patenkinder mit Familien, niedergelassene Kinderarztpraxen als Projektpartner und Lehrbeauftragte des Heidelberger Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin nun gemeinsam mit einem Familienfest.

 

Die Meilensteine der Entwicklung verstehen

 

"Vorrangiges Ziel des Projektes ist, dass zukünftige Ärzte an der normalen Entwicklung eines Kindes von Anfang an teilhaben können. Während sie im Alltag immer nur Momentaufnahmen sehen und meist mit erkrankten Kindern zu tun haben, können die Studenten durch das PäPP erleben, welche motorischen, psychosozialen und sprachlichen Kompetenzen ein Kind in den ersten Lebensjahren erlernt", sagt Dr. Astrid Helling-Bakki, eine der Lehrleiterinnen des PäPP am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Die angehenden Mediziner können sich durch die Zusammenarbeit schon während ihres Studiums mit dem Berufsbild eines niedergelassenen Kinderarztes vertraut machen und die sogenannten "U-Untersuchungen" schrittweise und unter Aufsicht durchführen. Besonders der Präventionsgedanke steht im Mittelpunkt. "Das Projekt zeigt den Studenten, dass die Arbeit eines Kinderarztes viel mehr ist, als nur Krankheiten zu behandeln. Mit den regelmäßigen Kindervorsorgeuntersuchungen prüfen wir, ob die wichtigen Meilensteine der Entwicklung erreicht werden und möchten dazu beitragen, dass ein Kind gesund bleibt", beschreibt Kinderarzt Dr. Volker Bothe die Idee des PäPP. Seine Praxis in Schwetzingen ist Akademische Lehrpraxis der Universität Heidelberg und einer der Orte, an dem angehende Mediziner und junge Familien als Team zusammengebracht werden.

 

16 Plätze, viele Bewerber - und lehrreiche Einsichten in den Alltag des Familienlebens

 

Um potenzielle Patenkinder zu finden, sprechen die teilnehmenden Kinderärzte Familien an, die schon mindestens ein älteres Kind und deshalb auch etwas Routine im Umgang mit einem Baby haben. 16 Plätze gibt es pro Jahr, um die sich interessierte Medizinstudenten vom ersten Semester an bewerben können. Einen der begehrten Plätze bekam per Losentscheidung der angehende Mediziner Pierre Allard (21), der im August 2015 für zwei Jahre Pate des kleinen Milo aus Schwetzingen wurde. "Durch das Projekt bekommt man einen ganz anderen Blick auf die Patienten. Man sieht in der Klinik oft nur die Krankheiten - aber ebenso wichtig ist es ja auch, Krankheiten zu verhindern", beschreibt Pierre Allard seine Erfahrungen als Pate. Er begleitete sein Patenkind zu den vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt und besuchte ihn auch mehrmals zuhause. "Ich war immer wieder überrascht, wie schnell Milo dann wieder neue Sachen konnte", so Allard. Milos Mutter Ina Powis hat eine Schwester, die ebenfalls Kinderärztin ist und freute sich, dem jungen Studenten Einblicke in das Alltagsleben einer Familie mit zwei kleinen Kindern geben zu können - in das "ganz normale Chaos", wie sie lachend beschreibt.

 

Austausch über Untersuchungsergebnisse ist für alle interessant

 

Doch nicht nur die Studenten, sondern auch die Familien profitieren von dem Projekt. "Die Familien bekommen einen tieferen Einblick in die Arbeit eines Kinderarztes. Viele freuen sich darüber, sich nach den gemeinsamen Besuchen in der Praxis über die Untersuchungen austauschen zu können", sagt Dr. Astrid Helling-Bakki. Medizinische Ratschläge geben dürfen die Studenten jedoch nicht, weshalb sie in begleitenden Gruppentreffen auch darauf vorbereitet werden, nicht die Arztrolle zu übernehmen. Auch die Schulung der kommunikativen Fähigkeiten der zukünftigen Ärzte zählt zu den Zielen des PäPP. "Die Studenten müssen üben, mit unterschiedlichen Menschen auszukommen. Sie müssen Empathie lernen und verstehen, dass jeder Weg anders ist", sagt Dr. Astrid Helling-Bakki.  Wie erfolgreich das Projekt ist, zeigt sich daran, dass viele Kontakte zwischen Medizinstudenten und ihren Patenfamilien auch weit über die Dauer der Patenschaft hinaus bestehen. Gelernt wird dabei neben dem Fachwissen durchaus auch Ungewöhnliches: Barbie spielen beispielsweise, wie Pierre Allard feststellen konnte, als bei einem seiner Hausbesuche bei Milo auch die große Schwester Lexa beschäftigt werden musste.

 

 

Kontakt

PäPP - Pädiatrisches Patenschaftsprojekt Prävention

Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

Dr. Astrid Helling-Bakki

Tel. 06221 - 56 7370

Email: Astrid.helling-bakki@med.uni-heidelberg.de

 

Weiterführende Links

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/PaePP-Paediatrische-Patenschafts-Projekt.126046.0.html


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