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Medizinische Fakultät Heidelberg
Nummer: 67 / 2014 vom 15.05.2014

Wenn Schmerzen sich ausbreiten

Von Grundlagenwissenschaft bis zur Therapie von Schmerzpatienten: Erfolgreicher Forschungsverbund stellt seine Ergebnisse bei Abschlusskongress am 22. und 23. Mai 2014 vor / Schmerzforscher-Netzwerk unter Federführung der Heidelberger Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik / Anmeldungen zum Kongress sind noch möglich


Der erfolgreiche Schmerzforschungsverbund LOGIN lädt am 22. und 23. Mai 2014 zu seinem Abschlusskongress ein: Seit 2011 haben die Experten unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht, warum sich chronische Schmerzen in Muskeln und Gelenken bei manchen Patienten ausbreiten, welche Vorgänge dabei im Körper ablaufen und welche neuen Ansatzpunkte für Diagnostik und Therapie sich in der Praxis bewähren. Die Arbeiten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 3,5 Millionen Euro gefördert. Die vielseitigen Ergebnisse präsentieren renommierte Schmerzforscher aus Heidelberg, Mannheim, Mainz und Marburg aber auch internationale Referenten (Professor Lars-Arendt Nielsen, Aalborg, Dänemark; Professor Christopher Eccleston, Bath, England) in Heidelberg. Anmeldungen zum englischsprachigen Kongress sind noch möglich.

 

Journalisten sind zur Veranstaltung herzlich eingeladen: am 22. Mai 2014 in der Alten Aula der Universität Heidelberg, Grabengasse 1, am 23. Mai im NH Hotel, Bergheimer Straße 91. Referenten stehen im Vorfeld des Kongresses für Interviews gerne zur Verfügung. Weitere Informationen im Programm

 

Rund jeder Fünfte in Deutschland ist betroffen

 

Etwa jeder Fünfte in Deutschland leidet unter anhaltenden Schmerzen der Muskeln und Gelenke im Rücken; sogenannten chronischen muskuloskelettalen Schmerzen. Chronisch sind diese Schmerzen dann, wenn sie trotz Einnahme von Medikamenten oder Krankengymnastik nach drei Monaten noch unverändert andauern. Teils fangen sie in einer umschriebenen Stelle des Körpers an und breiten sich im Laufe der Zeit aus, so dass Schmerzen im Knie, der Hüfte, den Schultern oder Armen hinzukommen. Betroffene sind in ihren alltäglichen Bewegungen - z. B. bei der Arbeit - erheblich eingeschränkt.

 

"In unseren Projekten haben wir mögliche Entstehungsmechanismen untersucht, um für jede Patienten-Gruppe geeignete Behandlungsansätze zu entwickeln", erklärt Professor Eich, Leiter der Sektion für Integrierte Psychosomatik an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg. Zudem erforschten die Wissenschaftler, wer besonders gefährdet ist, Schmerzen an vielen Stellen des Körpers zu entwickeln, und warum. "Solange wir die Mechanismen und Auslöser chronischer Schmerzen nicht ausreichend verstehen, bleiben Therapien unspezifisch und nur bedingt erfolgreich", sagt Eich.

 

Von Eiweißstoffen bis zu psychologischen Traumata: Viele Faktoren beeinflussen den Schmerz

 

Die Palette der Einflussfaktoren ist gewaltig: So konnten LOGIN-Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte Proteine in Nerven (Nervenwachstumsfaktor NGF) dazu beitragen, dass chronische Schmerzen entstehen und sich ausbreiten. Des Weiteren scheinen verschiedene Strukturen (Muskel, Faszie, Haut) bei der Entstehung und Ausbreitung von chronischen Schmerzen in unterschiedlichem Ausmaß beteiligt zu sein. Dabei scheint der Muskelfaszie eine besondere Bedeutung zuzukommen.

 

Auch der bedeutende Einfluss von Angst und Stress auf das Ausmaß der Schmerzen wurde erforscht. Im Tierversuch identifizierten die Wissenschaftler außerdem einen Wirkstoff, der sich als Ansatzpunkt zur Behandlung chronischer Schmerzen bei Patienten eignen könnte, die zusätzlich an Angststörungen leiden.

 

Betroffene, die psychologische Traumata durchlebt haben, empfinden Schmerzen oft stärker und sind in größerem Maße in ihrem Alltag eingeschränkt als andere Schmerzpatienten. Eine am Universitätsklinikum Heidelberg speziell an die Bedürfnisse von chronischen Rückenschmerzpatienten angepasste Psychotherapie wurde in einer ersten Studie überprüft. Sie kann dazu beitragen, diesen Patienten zu helfen. Diese Therapie senkt sowohl die Schmerzintensität der Patienten, verringert das Maß der Einschränkung durch den Schmerz und verändert sogar objektive Marker der Erkrankung in einem klinisch relevantem Ausmaß.

 

Weitere Informationen zu den Forschungsschwerpunkten des Schmerzforschungsverbundes LOGIN ("Lokale und generalisierte muskuloskelettale Schmerzen: Psychophysiologische Mechanismen und ihre Implikationen für die Behandlung"):

 

- Prof. Siegfried Mense (Mannheim): Stressinduzierte und NGF-induzierte zentrale Sensibilisierung bei Ratten

 

- Prof. Beat Lutz (Mainz): Die Inhibition des Abbaus von Anandamid führt zu einer Umkehr der mit chronischem Stress-assoziierten langandauernden Hyperalgesie in Mäusen

 

- Prof. Martin Schmelz (Mannheim): Lang andauernde Schmerzüberempfindlichkeit nach Gabe von Nervenwachstumsfaktor (NGF) in Haut, Muskel und Muskelfaszien des Menschen

 

- Prof. Rolf-Detlef Treede (Mannheim): Die Rolle der Langzeitpotenzierung in chronisch muskuloskelettalen Schmerzen

 

- Prof. Herta Flor (Mannheim): Stressinduzierte Analgesie in chronischen Schmerzpatienten

 

- Prof. Wolfgang Eich (Heidelberg): Psychologische Trauma und chronische Rückenschmerzen: Klinische und psychophysiologische Aspekte und ihre Behandlung

 

- Prof. Annette Becker (Marburg): Der Übergang von chronisch lokalen zu chronisch ausgebreiteten Schmerzen: Die Rolle von Risiko- und Schutzfaktoren in Hausarztpraxen 

 

 LOGIN Verbung

 

Weitere Presseunterlagen zu LOGIN:

Chronische Schmerzen: aktiv sein hilft 

 

 

Kongressprogramm und Anmeldung

 


Kontakt Medien

Doris Rübsam-Brodkorb
Pressesprecherin
Leiterin Ukom
Tel.: 06221 56-5052
Fax: 06221 56-4544
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Julia Bird
Stellvertretende Pressesprecherin
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
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weitere Informationen

Prof. Dr. Wolfgang Eich, Sprecher
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Telefon: 06221/56-36860

Dr. phil. Dipl.-Psych. Andreas Gerhardt, Koordinator
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Telefon: 06221/56-36860
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