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Nummer: 2018/15 vom 15.02.2018

Nierenerkrankungen – vorbeugen, erkennen, behandeln

Prof. Dr. Martin Zeier
Foto: Nierenzentrum Heidelberg

Die Nieren sind die ebenso hoch-effektiven wie höchst sensiblen Wasserrückgewinnungs- und Entgiftungsanlagen des Körpers. Was die Nieren schädigt und was sie schützt, erläutert Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter des Heidelberger Nierenzentrums, bei Medizin am Abend am 21. Februar 2018.


Um gleich vorweg mit einem Vorurteil aufzuräumen: "Die Trinkmenge hat sehr selten einen Einfluss auf die Nierengesundheit", sagt Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter des Nierenzentrums am Universitätsklinikum Heidelberg. "Ob Sie einen oder drei Liter am Tag trinken, ist für die Nieren egal. Nur sehr viel weniger oder mehr macht dann tatsächlich etwas aus." Wer seinen Nieren etwas Gutes tun wolle, müsse dagegen vor allem auf seinen Blutdruck achten, wie der Nephrologe betont. Am Mittwoch, 21. Februar 2018, wird er in seinem Vortrag bei Medizin am Abend nicht nur erklären, was ein zu hoher Blutdruck in den Nieren anrichtet. Themen sind zudem Nierenschäden infolge der Zuckerkrankheit Diabetes sowie weitere häufige Nierenerkrankungen und deren Behandlung. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

Was die Nieren alles leisten, ist vielen gar nicht bewusst. Zum einen sind sie die 'Kläranlage´ des Körpers: In den sogenannten Nierenkörperchen werden Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel - beispielsweise Harnstoff -, überschüssige Flüssigkeit und Salze über winzige Poren aus dem Blut gefiltert. Alles zusammen bildet den Urin, der in die Harnblase abgeleitet wird. Ohne funktionierende Nieren vergiftet sich der Körper selbst - Patienten mit Nierenversagen müssen daher mehrmals wöchentlich zur Blutwäsche, der Dialyse. Darüber hinaus sind die Nieren ausgesprochen effiziente Wasserrückgewinnungsanlagen. Denn durch die Filtration des Blutes bildet sich täglich mehr als 100 Liter sogenannter Primärharn, dem anschließend in den Nierenkanälchen rund 99 Prozent des Wasser wieder entzogen wird. Die Urinmenge wird dabei an Trinkmenge und Wasserbedarf angeglichen. Auch im Hormonhaushalt und der Blutdruckregulation mischen die Nieren mit: Sie bilden das Hormon Renin, das den Blutdruck steigen lässt, außerdem Hormone zur Regulation der Blutbildung und des Knochenstoffwechsels.

 

Die häufigsten Gründe für einen schleichenden Funktionsverlust der Nieren, sogenanntes chronisches Nierenversagen, sind langjähriger unbehandelter Bluthochdruck und Diabetes, wie Professor Zeier ausführen wird: "Ein dauerhaft zu hoher Druck zerstört die feinen Gefäße in den Nierenkörperchen - mehrere Jahre Bluthochdruck sind für die Nieren die reinste Katastrophe." Während dieses Problem allerdings insofern "hausgemacht" ist, als dass es sich mit der bedarfsgerechten Einnahme von Blutdrucksenkern meist hätte vermeiden lassen, stehen Mediziner den diabetischen Nierenschäden noch relativ hilflos gegenüber. Denn es scheint nicht der Blutzuckerspiegel selbst zu sein, der den Nieren zusetzt, sondern giftige Stoffwechselprodukte, die bei Diabetes entstehen. Mit diesen bisher noch wenig verstandenen Zusammenhängen beschäftigt sich aktuell ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderter Sonderforschungsbereich unter Heidelberger Federführung. Über aktuelle Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten wird der Nierenspezialist in seinem Vortrag informieren.

 

Eine häufige Erbkrankheit betrifft ebenfalls die Nieren: Beim Krankheitsbild der "Zystennieren" bilden sich zahlreiche flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die Nieren können dadurch mit der Zeit ihre Funktionsfähigkeit einbüßen. Rund ein Zehntel aller Dialyse-Patienten leidet daran. Eine Heilung ist nicht möglich, allerdings gibt es neue Entwicklungen in der Therapie: Aktuell werden zwei Medikamente im Rahmen von klinischen Studien getestet, die das Zystenwachstum hemmen. "Ob das allerdings auch die Nierenfunktion langfristig erhalten kann, müssen die Studien erst noch zeigen", so Zeier.

 

www.medizin-am-abend.de


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