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Nummer: 2018/19 vom 21.02.2018

Deutscher Krebspreis geht an den Heidelberger Hämatoonkologen Hartmut Goldschmidt

Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Würdigung eines über 25jährigen Engagements für die Erforschung und Therapieoptimierung des Multiplen Myeloms: Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Universitätsklinikum und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg, erhält am 22. Februar den Deutschen Krebspreis für seine wegweisenden Forschungsarbeiten zu dieser zweithäufigsten Blutkrebsart.


Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, international anerkannter Experte für die Krebserkrankung Multiples Myelom, wird am 22. Februar 2018 auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin mit dem Deutschen Krebspreis in der Sparte "Klinische Forschung" ausgezeichnet. Damit würdigen die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebsstiftung sein über 25jähriges Engagement für die Erforschung und Therapieoptimierung des Multiplen Myeloms. Der Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Krebsforscher in Deutschland. Goldschmidt ist Arzt und Forscher am Universitätsklinikum Heidelberg und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg.

 

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung der Plasmazellen, die einen wichtigen Teil des Immunsystems darstellen. Nach dem Non-Hodgkin-Lymphom ist das Multiple Myelom die zweithäufigste Blutkrebsart, kommt aber dennoch im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen mit 6000 bis 7000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland  vergleichsweise selten vor. Unter Goldschmidts Leitung untersucht die Studiengruppe German Speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG) seit 1996 alle Phasen dieser Erkrankung in klinischen Studien und hat dabei wegweisende neue Therapien entwickelt. "Wir entscheiden unabhängig, welche Forschungsansätze wir verfolgen und suchen uns dann die entsprechenden Partner aus der Industrie, von Stiftungen oder  staatlichen Förderinstitutionen", fasst Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt zusammen. "Unser besonderer Dank gilt der Dietmar Hopp Stiftung für die langjährige Förderung der Myelomforschung." Die Forschungsergebnisse der GMMG-Studiengruppe trugen durch die Etablierung moderner Therapien und neuer Wirkstoffe dazu bei, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Patienten mit Multiplem Myelom von drei bis vier Jahren auf sechs bis acht Jahre verdoppelte. Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg zählen durch den Einsatz der GMMG Studiengruppe zu den weltweit führenden Zentren für die Diagnostik und Therapie dieser Krebserkrankung.

 

Was ist das Multiple Myelom?

 

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der sogenannten Plasmazellen im Knochenmark. Betroffen sind häufig Menschen über 60 Jahre. Da die Symptome wie beispielsweise Rückenschmerzen und Müdigkeit unspezifisch sind, dauert es oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Die zu Krebszellen entarteten Plasmazellen stören die Blutbildung und schwächen die Knochensubstanz; Knochenschmerzen und -brüche, Blutarmut, Nierenfunktionsstörungen und eine Anfälligkeit für Infekte sind die Folgen. Medikamente können die Symptome zurückdrängen. Häufig kommt es jedoch nach einiger Zeit zu einem Rückfall und zur Therapieresistenz. Bis heute ist das Multiple Myelom meist nicht heilbar. "Von den Hochrisikopatienten leben nach zehn Jahren nur noch 20 Prozent", sagt Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt. "Es ist für uns ein großer Ansporn, für die von dieser Krankheit Betroffenen neue Therapieoptionen weiter zu entwickeln." Das Multiple Myelom wird bei körperlich belastbaren Patienten in der Regel durch eine hochdosierte Chemotherapie und die anschließende Rückgabe körpereigener Blutstammzellen behandelt. Diese Therapie wird mit der Gabe neuer Medikamente kombiniert. Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt publizierte als Erstautor Ergebnisse einer Studie, die zeigte, dass die zusätzliche Gabe des Wirkstoffes Bortezomib zu einem verbesserten Überleben der Patienten führte.

 

Neue Forschungsansätze: die Suche nach genetischen Ursachen der Erkrankung

 

Welche biologischen Prozesse dazu führen, dass sich die Plasmazellen im Knochenmark verändern und unkontrolliert teilen, ist noch weitgehend unbekannt. Durch genetische Studien gelang es Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt und seinem Team in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, erbliche Varianten -  sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (Single Nucleotide Polymorphism, SNP) - zu identifizieren, die das Risiko erhöhen, am Myelom zu erkranken. Diese Austausche an einzelnen Stellen des Erbgutes führen dazu, dass beim Ablesen der genetischen Baupläne veränderte Eiweiße entstehen, die eine Rolle bei Krebsentstehung und Tumorwachstum spielen können. In einem aktuellen Forschungsprojekt werden durch Untersuchungen von Familien, in denen das Multiple Myelom überdurchschnittlich häufig vorkommt, weitere genetische Varianten, die für die Entstehung des Multiplen Myeloms verantwortlich sind, aufgedeckt. Ziel dieser Forschung ist es, den Einfluss dieser veränderten Eiweiße zu bestätigen und weiter aufzuklären.

 

Der Preisträger: Ein international anerkannter Experte für das Multiple Myelom

 

Prof. Hartmut Goldschmidt ist seit 1991 in Heidelberg tätig. Seine Medizinstudium und seine Promotion schloss er an der Humboldt-Universität zu Berlin ab. Nach seiner Facharztanerkennung als Internist 1988 und einer Weiterbildungsermächtigung für Hämatologie und Internistische Onkologie im Jahr 1992 habilitierte sich Goldschmidt 1997 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Thema "Sequentielle Hochdosistherapie und Transplantation autologer peripherer Blutprogenitorzellen beim Multiplen Myelom" und erhielt gleichzeitig die Lehrberechtigung für Innere Medizin. Von 1999 bis 2005 war Goldschmidt zunächst Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik V des Universitätsklinikums Heidelberg. Seit Juli 2005 ist er Leiter der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik V des Universitätsklinikums und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen. Er ist unter anderem Träger des Paul-Martini-Preises sowie des Bundesverdienstkreuzes am Band.

 

Der Deutsche Krebspreis

 

Der Deutsche Krebspreis wird jährlich zu gleichen Teilen für hervorragende Arbeiten in der experimentellen onkologischen Grundlagenforschung, in der Transferforschung und in der Tumordiagnostik und -behandlung verliehen. Kriterien sind eine herausragende wissenschaftliche Originalität und die Qualität aktueller und zukunftsweisender Arbeiten im Bereich Onkologie. Diese Leistungen werden in der Regel durch mehrere bedeutende Beiträge zur Erforschung der Entstehung, der Diagnose oder der Therapie von Krebserkrankungen in einem bestimmten Forschungsgebiet begründet. Stifter des Deutschen Krebspreises sind die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebsstiftung. Jede Kategorie ist mit 7.500 Euro dotiert.

 

In der Sparte "Translationale Forschung" geht der Preis in diesem Jahr an Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, für "Experimentelle Forschung" wird Thomas Brabletz, Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin, Universität Erlangen, ausgezeichnet.

 

 

Kontakt

Dr. Annemarie Angerer

Referentin Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt

Sektion Multiples Myelom

Medizinische Klinik V

Im Neuenheimer Feld 410

69120 Heidelberg

Tel.: +49 (0)6221 56-5429

E-mail: annemarie.angerer@med.uni-heidelberg.de

 

Weiterführende Links

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Myelomzentrum-Heidelberg.131775.0.html        

 


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