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Medizinische Fakultät Heidelberg
Nummer: 29/2019 vom 03.04.2019

Schwerer Abschied vom "Schlierbacher Spirit"

Professor Dr. Volker Ewerbeck ist nach mehr als 22 Jahren als Ärztlicher Direktor der Heidelberger Universitätsklinik für Orthopädie und später auch Unfallchirurgie feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Professor Dr. Volker Ewerbeck ist nach 22 Jahren als Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Heidelberg feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden


Professor Dr. Volker Ewerbeck ist nach mehr als 22 Jahren als Ärztlicher Direktor der Heidelberger Universitätsklinik für Orthopädie und später auch Unfallchirurgie feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Seit 2010 war er Sprecher des Zentrums für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie. "Unter seiner Leitung hat sich die orthopädische Universitätsklinik zu einem deutschlandweit führenden Zentrum mit herausragender Expertise im gesamten Spektrum orthopädischer Therapiekonzepte und mit einer ganz besonderen Kultur entwickelt: Neben dem hohen Anspruch an Kompetenz, legte er stets Wert auf einen wertschätzenden, pfleglichen Umgangsstil, der sowohl für Mitarbeiter als auch Patienten die besondere Atmosphäre der Klinik ausmacht", sagt Professor Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg. Die kommissarische Leitung der Klinik haben bis zur Ernennung der Nachfolge Privatdozent Dr. Burkhard Lehner, Leiter der Sektion Orthopädische Onkologie und Septische Orthopädische Chirurgie, und Privatdozent Dr. Babak Moradi, Leiter des Bereichs Endoprothetik, übernommen. Sprecher des Zentrums ist Prof. Dr. Norbert Weidner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Paraplegiologie - Querschnittzentrum.

 

Die Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ist mit rund 50.000 ambulanten und 7.000 stationären Patienten pro Jahr die größte orthopädische Universitätsklinik in Deutschland. Jährlich werden mehr als 6.700 Operationen durchgeführt - vom Gelenkersatz an Hüfte, Knie und Schulter über die Tumor- bis hin zur Wirbelsäulenchirurgie. Wichtige Schwerpunkte sind zudem die Kinder- und Neuroorthopädie, die Sportorthopädie und -traumatologie, moderne konservative Therapieverfahren der unterschiedlichsten Erkrankungen und Verletzungen der Bewegungsorgane, die technische Orthopädie mit Prothetik und jedweder Art von Hilfsmittelversorgung sowie der Bereich Schmerztherapie mit einer Tagesklinik. "Das Gesamtspektrum profitiert von vielen Spezialisten. Es ist hervorragend, eine solche Vielfalt im Portfolio zu haben", so Ewerbeck. "So sind sämtliche Therapiemöglichkeiten auch in den Köpfen der Teams präsent - das macht es leicht, die Patienten am Standort gleichsam über den Flur zum passenden Experten zu schicken."

 

"Eine menschenfreundliche Klinik"

Eine besondere Aufgabe seiner Amtszeit war die Zusammenführung der ehemals selbstständigen Stiftung Orthopädische Universitätsklinik mit dem Universitätsklinikum Heidelberg im Jahre 2010, die er mit Zuversicht und klar positivem Signal an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleitete. "Da war es gut, dass die Führungskräfte an Bord und vor allem auch vor Ort geblieben sind", so Ewerbeck, unter anderem, um die Sorgen der Mitarbeiterschaft anzuhören und wenn möglich zu nehmen.

 

Dass das gelungen ist, zeigt sich in der besonderen Atmosphäre des Standorts, den er als "Spirit of Schlierbach" bezeichnet: "Manche Mitarbeiter arbeiten schon in zweiter Generation an der Klinik. Sie ist wie ein Stück Familie, ein Spender kreativer Energie. So habe ich das jedenfalls immer empfunden." Trotz steigenden ökonomischen Drucks der letzten Jahre, steigender Nachfrage und Ambulanzen mit rund 20.000 unangemeldeten Patienten pro Jahr, habe man gemeinsam daran gearbeitet, keine Medizinfabrik, sondern eine menschenfreundliche Klinik zu bleiben. "Ich bin dankbar, dass das auch so wahrgenommen wurde." Einen Eindruck davon vermittelte 2010 einem breiten Fernsehpublikum die vom SWR am Standort Schlierbach produzierte Dokumentation "Die Knochen-Docs", für die das Drehteam Patienten und Behandlungsteams ein Jahr lang begleitete. Die Doku sei ein gelungenes Experiment: "Die Bilder erinnern daran, dass Medizin für manche Menschen eine Leidenschaft ist."

 

Die orthopädische Forschung wurde unter Prof. Ewerbecks Leitung professionalisiert und neu organisiert, weg von der "Feierabendforschung" hin zum 1997 neu eingerichteten Forschungszentrum für Experimentelle Orthopädie, das der Entwicklung neuer und innovativer Ansätze zur Regeneration beschädigter Gewebe der Bewegungsorgane gewidmet ist. Ziel ist es unter anderem, die Heilung oder den Ersatz von geschädigtem Knorpel-, Knochen- und Bandscheibengewebe zu ermöglichen. Weitere leistungsstarke Forschungsschwerpunkte sind die Bewegungsanalyse sowie die Biomechanik und Implantatforschung.

 

Über die eigene Klinik hinaus engagierte sich Volker Ewerbeck in vielfältigen Funktionen seit 1997 für die Zusammenführung der Fachgebiete Orthopädie und Unfallchirurgie mit einer gemeinsamen Facharztweiterbildung. "Ob eine solche Zusammenführung gelingt, ist wie immer vom gegenseitigen Vertrauen der Beteiligten abhängig; vom Willen mit offenen Karten zu spielen", so Ewerbeck. Was 2005 schließlich in der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer Niederschlag fand, führte 2010 am Universitätsklinikum zur Eingliederung der Unfallchirurgie in die Orthopädische Klinik, weiterhin mit Standbein im Neuenheimer Feld zur Versorgung der dort eintreffenden Schwerstverletzten.

 

"Zusammentreffen von Professionalität, Leidenschaft und Anstand"

Volker Ewerbeck, 1950 in Köln geboren, studierte in Berlin, Innsbruck und Wien, war danach als Assistenzarzt und Facharzt für Chirurgie an der Chirurgischen Abteilung des Akademischen Lehrkrankenhauses Berlin-Neukölln tätig. 1983 wechselte er nach Heidelberg, zunächst an die Kinderchirurgische Abteilung der Chirurgischen Universitätsklinik, recht bald aber nach Schlierbach an die Orthopädie. Dort spezialisierte er sich auf Tumorchirurgie, leitete ab 1987 die Sektion Orthopädische Onkologie und Septische Orthopädische Chirurgie. 1993 wurde er im Fach Orthopädie habilitiert und erhielt 1995 den Ruf auf den Lehrstuhl für Orthopädie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Bereits ein Jahr später, 1996, folgte er dem Ruf nach Schlierbach als Ärztlicher Direktor. Nach der Fusion mit dem Universitätsklinikum Heidelberg stand er der Schlierbacher Klinik, nun "Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie am Universitätsklinikum Heidelberg", als Sprecher vor. Er war Präsident der wichtigsten deutschen Fachgesellschaften, Mitglied zahlreicher internationaler Fachgesellschaften sowie Mitherausgeber und Beirat führender deutscher Fachzeitschriften für Orthopädie und Unfallchirurgie.

 

Nun hat er konsequent alle Funktionen abgegeben, der Abschied vom "Schlierbacher Spirit" fällt nicht leicht: "Ich wünsche dem gesamten Klinik-Team, dass dieser Geist, diese Atmosphäre erhalten bleibt. Grundlage dafür ist für mich eine Spezialisierung der Führungskräfte verbunden mit der Trias Verantwortlichkeit - Integration - Identifikation. Das Zusammentreffen von Professionalität, Leidenschaft und Anstand erzeugt den Spirit. Als Chef einer solchen großartigen Klinik ist man Generalist wie ein Dirigent eines Orchesters von erstklassigen Musikern. Es ist für mich ein besonderes Glücksgefühl, dass es in den letzten 22 Jahren gemeinsam mit der gesamten Mitarbeiterschaft gelungen ist, ein traditionsreiches Flaggschiff der deutschen Orthopädie auf Erfolgskurs zu halten."

 

Weitere Informationen im Internet

Hompage der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Heidelberg

Homepage des Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie Heidelberg


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