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Kompetenzzentrum für Prüfungen in der Medizin

Prüfungsformen


Key-Feature - Prüfung klinischer Entscheidungskompetenz

Key Features werden als kritische Entscheidungen definiert, die fallabhängig getroffen werden müssen, um ein klinisches Problem lösen zu können. Diese Methode und ihr Einsatz als Prüfungsinstrument wurde in den 90er Jahren in Kanada entwickelt und erstmals 1995 von Page und Bordage beschrieben [1].

 

Von einer spezifischen klinischen Situation ausgehend wird ein Fall entwickelt, der von mehreren Fragen zu diesem Thema gefolgt wird. Jede dieser Fragen sollte  sich möglichst auf eine kritische Aktion oder Entscheidung beziehen und nicht auf die Überlegungen dazu. Die gestellten Fragen beziehen sich idealerweise auch nur auf diese Schlüsselsituation. Hintergrund sind lerntheoretische Überlegungen, dass es sich im Bereich der medizinischen Problemlösung nicht um eine spezifische Kompetenz sondern um einen stark fallabhängigen und kontextspezifischen Vorgang handelt [1, 2].  Der Key-Feature Ansatz geht davon aus, dass die Bearbeitungs-schritte eines klinischen Falles nicht die gleiche Gewichtung haben, sondern es möglich ist, die klinisch wichtigsten Aspekte auf wenige entscheidende Punkte zu reduzieren. Gerade in der Prüfungssituation, bei der nur eine beschränkte Zeit zur Verfügung steht, kann das Key-Feature Konzept dazu beitragen, die Prüfung auf die praktisch relevanten Punkte zu fokussieren.

 

Dabei wird in acht definierten Entwicklungsschritten ein solches Key-Feature Problem erstellt. Nach einer Definition der Domäne eines klinischen Problems (z. B. Notfallmedizin) wird im zweiten Schritt ein klinisches Problem ausgewählt (z. B. Myokardinfarkt) und eine typische klinische Fallsituation (z.B. präklinische Notfallversorgung Myokardinfarkt) entwickelt, aus der sich Schlüsselelemente definieren. Diese beinhalten kritische, entscheidende Schritte zur Lösung des dargestellten klinischen Problems; unter anderem auch Schritte, die häufig falsch gemacht werden oder schwierige, atypische und herausfordernde Aspekte, die auftreten (z. B. sofortige therapeutische Maßnahmen, Medikamentengabe oder EKG-Interpretation). Im fünften Schritt wird das klinische Szenario konkret beschrieben (z. B. 60-jähriger Patient, den Sie als Notarzt mit akuten Herzschmerzen….) Nachdem die Testfragen (z. B. „Welche diagnostischen Schritte veranlassen Sie?“ oder   „Welche therapeutischen Maßnahmen halten Sie primär für indiziert?“) feststehen, wird pro Frage ein Antwortformat (z. B. Freitext, Lückentext, MC, long menu, short menu…) festgelegt. Im letzten und achten Schritt folgt die Festlegung eines Auswertungsschlüssels (z. B. Punktescore, pass-fail,…).

 

 

Im Moment wird der Key-Feature Ansatz am Universitätsklinikum Heidelberg in den Bereichen Notfallmedizin und Innere Medizin umgesetzt.

 

 

 

Literatur:

1. Page, G., Bordage, G., Allen, T. (1995): Developing key-feature problems and  examinations to assess clinical decision-making skills. Academic Medicine, 70; 194-201

2. Bordage, G. (1995): Content validation of key features on an national examination

of clinical decision-making skills. Academic Medicine, 70 (4); 276-281

3. Hatala, R. Norman, G. (2002): Adapting the key features examination for a clinical clerkship. Medical education, 36; 160-165

 


OSCE (Objective Structered Clinical Examination)

Abb. 1: Lernpyramide nach Miller
Abb. 2: OSCE-Parcours

Warum ein OSCE?

 Entgegen herkömmlicher Prüfungsformen prüft der OSCE (objective structured clinical examination) nicht nur theoretisches Wissen, sondern beurteilt direkt die Ausführung klinisch-praktischer Tätigkeiten (siehe Abb. 1) Vorteile des OSCE sind gegenüber einer Prüfung am Krankenbett in der Standardisierung zu sehen. Dies bedeutet, dass die Prüfungsleistung einer StudentIn wenig von der Bewertungstendenz des Prüfenden abhängig ist und der OSCE somit als ein faires Prüfungsinstrument gelten kann.

 

Wie funktioniert ein OSCE?

Beim OSCE rotieren die Prüfungskandidaten durch einen Parcours von Prüfungsstationen. An diesen müssen klinisch-praktische Fertigkeiten unterschiedlichster Art von den StudentInnen unter Beweis gestellt werden (siehe Abb. 2). Ein OSCE sollte aus mindestens 12 Stationen bestehen. Die Prüfungsdauer an den einzelnen Prüfungsstationen muss für alle Stationen gleich sein und vor der Prüfung exakt festgelegt werden. Normalerweise beträgt sie pro Station 5 bis 7 Minuten. An den einzelnen Stationen wird den StudentInnen die Aufgabenstellung vorgelesen oder sie finden sie in schriftlicher Form an den Stationen vor. Jede ist mit einem geschulten Prüfer versehen, der die Prüfungsleistung des Studenten mittels einer Checkliste beurteilt.

 

Bewertung der OSCE-Prüfungsleistung:

Die Bewertung der Prüfungsleistung erfolgt an den einzelnen Stationen anhand von Checklisten oder mittels eines globalen Ratings. Bei der Checkliste werden für einzelne Prüfungsschritte Punkte vergeben, die am Ende der Station addiert werden, und somit am Ende eines Parcours zu einer Gesamtpunktezahl führt. Bei einem globalen Rating findet für eine Station eine allgemeine Beurteilung des Prüfers statt. Bewährt hat sich sogar entsprechend der Aufgabenstellung eine Kombination beider Bewertungsstrategien innerhalb eines OSCE-Parcours bzw. innerhalb einer einzelnen OSCE-Station.

Aus unserer Erfahrung ist es dabei sinnvoll die Checkliste in 5 Teilaufgaben zu unterteilen, wobei für jede Teilaufgabe jeweils 5 Punkte im Erwartungshorizont definiert und eindeutig zugewiesen sind; also 25 Punkten pro Station erreicht werden können. Bei z.B. 12 Stationen addiert sich die Prüfungsleistung somit auf eine Gesamtpunktzahl von maximal 300 Punkte, die dann in eine Gesamtnote überführt werden kann.

 

Autoren: Christoph Nikendei und Steffen Briem

 

Vgl. das Interview in Via medici: "OSCE- Was ist denn das?"

 

 

Buchveröffentlichungen:

 

OSCE-Prüfungsvorbereitung Innere Medizin

Kompetenzzentrum für Prüfungen

Jana Jünger/Christoph Nikendei

Oktober 2005.

Ca. 150 S., ca. 30 Abb., kart.

ISBN 3 13 141471 5  ca. € 19,95

 

 

Die erste Möglichkeit zur Vorbereitung von OSCE-Prüfungen. An rund 50 beispielhaften OSCE-Stationen können sich Studenten alleine oder in Lerngruppen auf diese neue Prüfungsform vorbereiten. Die Beispielstationen, die in einer OSCE-Prüfung vorkommen können, spiegeln typische Situationen aus dem Alltag des Arztes wieder: z. B. Anamneseerhebung, Legen einer Venenverweilkanüle, Patientenaufklärung, Untersuchung des Abdomens usw.

 

Der Band OSCE Prüfungsvorbereitung Chirurgie wird 2007 erscheinen.

 

 


 

Mini-CEX - kurze standardisierte klinische Untersuchung

Grundidee dieser im angloamerikanischern Raum weit verbreiteten Prüfungsmethode ist eine standardisierte Prüfung mit unterschiedlichen Bewertungskriterien. So werden neben verschiedenen Aspekten einer körperlichen Untersuchung auch Bereiche wie Kommunikationsformen, Organisationsverständnis, Effizienz oder klinische Entscheidungs-findung bewertet. Diese Bewertung anhand zuvor festgelegter Kriterien bleibt bestehen und gilt für jeden Prüfling. Die Schwierigkeit bleibt jedoch bezüglich unterschiedlicher zu untersuchender Patienten. Aus Sicht der Prüfungspyramide nach Miller steht man jedoch auf einer hohen Anwendungsebene.

 

Literatur:

Ann Intern Med. 2003 Mar 18;138(6):476-81. The mini-CEX: a method for assessing clinical skills. Norcini JJ, Blank LL, Duffy FD, Fortna GS.