Klinische Ethik

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Die Klinische Ethik am IMDE untersucht die ethischen Dimensionen medizinischer Entscheidungsprozesse in der modernen Krebsversorgung und verwandten klinischen Kontexten. Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen Fragen rund um die Komplexität von Therapieentscheidungen bei fortgeschrittener Erkrankung, der ärztlich assistierten Selbsttötung sowie den ethischen Herausforderungen in der Versorgung älterer und vulnerabler Patient:innen. Dazu gehört die Untersuchung der moralischen Belastung, die Behandelnde in schwierigen Situationen am Lebensende erfahren, sowie die Entwicklung von Leitlinien und präferenzbasierten Instrumenten zur Unterstützung gemeinsamer Entscheidungen. Darüber hinaus analysieren wir die Perspektiven verschiedener Stakeholder in datengetriebenen medizinischen Umgebungen und erforschen, wie ökonomische Faktoren klinische Entscheidungssituationen prägen. In unserer Arbeit legen wir besonderen Wert darauf, die Sichtweisen sämtlicher Beteiligter zu berücksichtigen – Patient:innen, Angehörige, das medizinische Team sowie Fach- und Ethikexpert:innen.


Projekte

Kindeswohl, gute Versorgung, Beratung, Kinder- und Jugendonkologie

Was sind Kriterien guter Behandlung von Kindern und Jugendlichen? Aufgrund der sehr (entwicklungs-)spezifischen Besonderheiten von Kindern und Jugendliche ist diese Frage noch komplexer als bei Erwachsenen. Daher diskutieren wir sie zusammen mit Kinderonkolog*innen aus der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH).

Aus ethischer Perspektive beschäftigen wir uns mit einer kinderzentrierten Interpretation des Best Interest Standards und dem Kindeswohl. Hierbei spielen auch Fragen zur Gewichtung von Kindes- und Familieninteressen (child-centered vs. family-centered care), der Definition der Kindesinteressen und welche Kindesinteressen bei medizinischen Entscheidungen mitbedacht werden sollten (rein medizinischer oder holistischer Ansatz) eine Rolle. Ergänzt wird dieser Ansatz zum einen um Rechte des Kindes gemäß der UN-Kinderrechtskonvention und der Rechte des Kindes im Krankenhaus nach der Charta der European Association for Children in Hospital (EACH Charter), in die Gedanken des Kindeswohls und des best interest des Kindes ebenfalls Eingang gefunden haben. Dabei gilt es letztlich auch Fragen zu berücksichtigen wie: Wer bestimmt, was im besten Interesse des Kindes ist? In welchem Verhältnis stehen die verschiedenen Interessen des Kindes zueinander (und zu Interessen anderer Stakeholder wie andere Patient*innen und Familienmitglieder)?

Partizipationsrechte von Kindern und Jugendlichen

Im Hinblick auf die Partizipationsrechte des Kindes stellen sich Fragen wie: Welche Art von Autonomie und Entscheidungsfähigkeit kann Kindern oder Jugendlichen zugesprochen werden? Wie kann shared decision-making, d.i. die gemeinsame Entscheidungsfindung, bei Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters aussehen?

Publikationen

Schickhardt C.: Children as vulnerable patients in oncological medicine and treatment, In: Ethics and Oncology: New Issues of Therapy, Care, and Research, hrsg. von M. Bobbert, B. Herrmann und W. U. Eckart, Karl Alber, 67-80, 2017.

Schickhardt C.: Bedeutung und Wert von Einwilligung unter besonderer Berücksichtigung der Gewebespende zwischen Geschwisterkindern, In: Rettende Geschwister. Ethische Aspekte der Einwilligung in der pädiatrischen Stammzelltransplantation, hrsg. von C. Schües und C. Rehmann-Sutter, Mentis Verlag, 101-121, 2015.

Vorträge (Auswahl)

25.6.2026 Was ist gute Behandlung in der Kinder- und Jugendmedizin? Eine umfassende kinderethische Perspektive, Schickhardt C., Sulzbach N., Workshop Wohlergehen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit seltenen Erkrankungen, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin / Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen, Universitätsklinikum Freiburg, online.

17.04.2026 Was ist gute Behandlung in der pädiatrischen Onkologie? Eine umfassende kinderethische Perspektive, Sulzbach N., Schickhardt, C., Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) Frühjahrstagung, online.

19.09.2025 Kurzvortrag und Podiumsdiskussion zum Thema Kranke Kinder haben Rechte. Wie werden Rechte kranker Kinder umgesetzt? Frankfurt am Main, veranstaltet von Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e. V. und Kinderhilfestiftung e.V.

19.02.2021 Entscheidungsfindung in komplexen medizinischen Situationen; Compassionate Care, Pränatale Diagnostik, moralisch-ethische Fragestellungen und Entscheidungen. Online BVHK Beiratstagung, Bundesverband herzkranke Kinder e.V.

02.06.2016 Eine kinderethische Perspektive auf das Spannungsverhältnis zwischen Kindeswohl, Kindeswille und Elternwille
Kongress Kindeswohl im Spital, Universitäts-Kinderspital Zürich.

IMDE Ansprechpartner

Dr. Christoph Schickhardt

Niamh Sulzbach

Immer mehr ältere Menschen überleben eine Krebserkrankung, haben jedoch häufig langfristige körperliche, psychische und soziale Unterstützungsbedarfe. Das Projekt IMPULS-A entwickelt, implementiert und evaluiert ein regionales Survivorship-Programm für Krebsüberlebende ab 70 Jahren. Im Mittelpunkt stehen regelmäßige Bedarfsanalysen, die Koordination individueller Unterstützungsangebote durch Care-Navigator:innen sowie die Vernetzung bestehender Versorgungsstrukturen. Die Wirksamkeit des Programms wird in einer randomisiert-kontrollierten Studie untersucht. Ziel ist es, die Lebensqualität, Gesundheitskompetenz und Teilhabe älterer Krebsüberlebender nachhaltig zu verbessern und ein übertragbares Modell für eine bedarfsgerechte Nachsorge zu entwickeln. Als zusätzliche qualitative Fragestellung wird untersucht, welche Aspekte für Ältere bedeutsam sind hinsichtlich eines lebenswerten Überlebens nach einer Krebserkrankung.

Publikationen

Bugaj T. J., Flock C., Scapinello E., et al. Evaluating an innovative support programme for older long-term cancer survivors (IMPULS-A): protocol for a randomised controlled trial. BMJ Open 2026;16:e119397. doi: 10.1136/bmjopen-2026-119397

IMPULS-A Webseite

IMDE Ansprechpartner

Sarina Carter


ELABORATE (Der Einfluss ökonomischer Faktoren auf ärztliche Entscheidungsprozesse: Ethische Verantwortung in der modernen Onkologie)

Mögliche wirtschaftliche Einflüsse auf die medizinische Praxis werden unter dem Begriff „Ökonomisierung“ zusammengefasst und sind Gegenstand aktueller fachlicher, gesellschaftlicher und politischer Diskussionen. Dennoch bleiben die Bewertung und die Bedeutung des Begriffs „Ökonomisierung“ unklar. Ein unklar definierter Begriff der Ökonomisierung erschwert sowohl den Austausch über das Thema als auch die normative Bewertung von Praktiken. Insbesondere in der Onkologie als kostenintensivem Teilbereich der medizinischen Praxis fehlen interdisziplinäre konzeptionelle und ethische Untersuchungen zur Charakterisierung und normativen Bewertung wirtschaftlicher Faktoren, die die onkologische Praxis beeinflussen.

 

Im Rahmen des interdisziplinären Verbundforschungsprojekts, in dem Medizinethik, Onkologie und Gesundheitsökonomie eng zusammenarbeiten, ist geplant, den Begriff und das Konzept der „Ökonomisierung“ zu charakterisieren und zu definieren, wirtschaftliche Faktoren, die die onkologische Praxis beeinflussen, mittels qualitativer Analysen zu bewerten und zu beschreiben, die Ergebnisse in einer quantitativen Analyse von Versicherungsdaten zu bestätigen und gemeinsam mit relevanten Akteuren Empfehlungen für den Umgang mit negativen wirtschaftlichen Einflüssen in der onkologischen Praxis zu entwickeln.

Mit gebündelter Expertise aus den Bereichen Onkologie, Medizinethik und Gesundheitsökonomie verfolgt dieses Projekt folgende Ziele:

 

Ziele des Projekts

1. Ermittlung relevanter/typischer Entscheidungssituationen in der stationären und ambulanten onkologischen Praxis und Charakterisierung der wirtschaftlichen Einflüsse auf diese Entscheidungssituationen.

2. Untersuchung ausgewählter Entscheidungssituationen und möglicher wirtschaftlicher Einflussfaktoren durch eine quantitative Analyse der Abrechnungsdaten einer großen gesetzlichen Krankenkasse.

3. Identifizierung und Begründung möglicher Maßnahmen zur angemessenen Steuerung der einflussnehmenden wirtschaftlichen Faktoren.

4. Bewertung der Ergebnisse und der daraus abgeleiteten Empfehlungen durch die Interessengruppen im Hinblick auf verschiedene Zielgruppen und Kontexte mit konkreten Umsetzungsvorschlägen.

 

Förderung

Dieses Projekt wird von der Deutschen Krebshilfe (DKH) gefördert.

Laufzeit: 2022–2025

 

Verantwortung und zusammenarbeit

 

Oncology / Medical EthicsEthics and EmpiricsHealth Economics
Heidelberg University

Medical Faculty

Heidelberg University Hospital

National Center for Tumour Diseases
University Halle-Wittenberg

Institute for the History and Ethics of Medicine

University Medicine
University of Bielefeld

Faculty of Health Sciences

Health Economics and Health Management
 
Prof. Dr med. Dr phil. Eva Winkler,
Dr Katja Mehlis,
Dr Julia König MAE
Prof. Dr Jan Schildmann
M.A., Sabine Sommerlatte, M. mel.
Prof. Dr Wolfgang Greiner
Birthe Aufenberg, M.

 

PUBLIkationen


-    Koenig J. F. L., Aufenberg B., Brei G., Reitmayer S., Sommerlatte S., Greiner W., Schildmann J., Winkler E. C., Mehlis K.. Financial influences and the primacy of patient welfare - an empirical and ethical analysis in German cancer medicine. BMC Med Ethics. 2026 May 6;27(1):100. doi: 10.1186/s12910-026-01450-2. 


-    König J. F. L., Aufenberg B., Brei G., Reitmayer S., Sommerlatte S., Greiner W., Schildmann J., Winkler E. C. , Mehlis K.. How do financial considerations influence medical decision-making? A qualitative-empirical study in German cancer medicine. BMJ Public Health. 2025 Nov 27;3(2):e003346. doi: 10.1136/bmjph-2025-003346. 

 
IMDE Ansprechpartner

Prof. Dr. Dr. Eva Winkler

Dr. Julia König

Dr. Katja Mehlis

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