Neue Publikation
Über das Projekt
Der Erfolg und die Qualität der medizinischen Forschung im Gesundheitswesen hängen entscheidend von der Möglichkeit ab, personenbezogene Daten für Forschungszwecke zu nutzen, insbesondere personenbezogene Gesundheitsdaten, Genomdaten und Biomaterialien, die in klinischen Kontexten erhoben werden. Bislang haben alle Bemühungen, eine rechtssichere, ethisch vertretbare und wirksame Methode für den Umgang und die Bereitstellung der Daten zu finden, noch nicht zu einem Durchbruch geführt. Ein vielversprechendes Konzept, dass sowohl Praktikabilität als auch eine Wahrung der Rechte der betroffenen Personen verspricht, ist das Konzept des Datentreuhänders.
Das von der DFG geförderte Projekt „DAta FIDUciaries in MEdical Research” (DAFIDUMER), das in einen rechtlichen und einen ethischen Teil gegliedert ist, hat zum Ziel, die ethischen und rechtlichen Grundlagen für das Konzept des Datentreuhänders in der medizinischen Forschung zu schaffen und gemeinsam konkrete Vorschläge für dessen Umsetzung zu unterbreiten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden eine Vielzahl an Konzepten und Modellen – mit verschiedenartigen Funktionen – unter dem Begriff des Datentreuhänders zusammengefasst. Hierbei besteht die Gefahr, dass ein uneinheitliches Verständnis des Begriffs zu divergierenden Erwartungen führen kann, welche beispielweise in Bezug auf übernommene Pflichten oder Unabhängigkeit des Datentreuhänders enttäuscht werden können.
Das DAFIDUMER Projekt hat sich das Ziel gesetzt, zu ermitteln, unter welchen Voraussetzungen sogenannte Datenintermediäre als Datentreuhänder qualifiziert werden können oder nicht. Als Ergebnis wurden folgende typusprägende Merkmale eines Datentreuhänders definiert:
Typusprägende Merkmale:
o Befugnis zur Interessenwahrnehmung und Zugangseröffnung
o Strikte Bindung an die fremdnützige Verfolgung der festgelegten Forschungszwecke
o Wahrnehmungsbefugnis im Außenverhältnis und Ermessensspielraum
o Qualifizierte Vertrauensstellung des Treuhänders
Für Details siehe:
o Geibel SJ, Kiefer L, Maier AC, Winkler EC. Die Datentreuhand für die medizinische Forschung. MedR. 2026; 44: 507-515. doi.org/10.1007/s00350-026-7356-z
und
o Tavakoli S. Treuhand als Typus, Kapitel 6 D. (im Erscheinen).
Rechtliches Teilprojekt
Aus rechtlicher Perspektive steht die Datentreuhand in der Tradition der privatrechtlichen Figur der Treuhand. Im Mehrebenensystem, welches den rechtlichen Rahmen für die Qualifizierung und Anwendung der Datentreuhand bildet, spielen auch öffentlich-rechtliche Aspekte, insbesondere die Aufsicht, eine zentrale Rolle. Aktuelle, umfangreiche Reformen im Daten- und Gesundheitsrecht eröffnen neue Anknüpfungspunkte für die Datentreuhand, führen aber auch zu vielschichtigen rechtlichen Fragestellungen. Eine klare dogmatische Fundierung dient der Rechtssicherheit im Umgang mit dem vielversprechenden Instrument der Datentreuhand, das gerade im besonders sensiblen Bereich der medizinischen Forschung den Interessensausgleich zwischen den beteiligten Akteuren erleichtern kann. Kontakt: ann-cathrin.maier(at)igw.uni-heidelberg.de
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektnummer: 528528062
Projektlaufzeit: 01.11.2023 - 31.12.2026
Publikationen
- Geibel SJ, Kiefer L, Maier AC, Winkler EC. Die Datentreuhand für die medizinische Forschung. MedR. 2026; 44: 507-515. https://doi.org/10.1007/s00350-026-7356-z
- Kiefer L, Maier, A-C, Tavakoli S, Sulzbach N, Geibel SJ, Winkler EC. Applying Fiduciary Concepts to Health RDM - Mapping and Evaluation. 2nd Conference on Research Data Infrastructure (CoRDI), Aachen, Germany, Zenodo, 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.16736366
- Geibel SJ. Die Datentreuhand zu Forschungs- und anderen gemeinwohlnützigen Zwecken im Mehrebenensystem des Unionsrechts. In: Geibel SJ, Heinze C, Verse DA, eds. Binnenmarktrecht als Mehrebenensystem. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft; 2023:233-281. https://doi.org/10.5771/9783748937814-233
Vorträge
- 13.09.2024: Kiefer L, Winkler EC. “Translating ethical fiduciary concepts into health research: How can data fiduciaries contribute to a trust architecture for the research use of health data?”. EACME 2024 Annual Conference, 12.09.2024-14.09.2024, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale, Deutschland.
- 27.08.2025: Kiefer L, Maier A-C, Tavakoli S, Sulzbach N, Geibel SJ, Winkler EC. „Applying Fiduciary Concepts to Health RDM. Mapping and Evaluation“. NFDI 2nd Conference on Research Data Infrastructure (CoRDI) 2025, 26.08.2025-28.08.2025, RWTH Aachen University, Aachen, Deutschland.
- 12.09.2025: Kiefer L, Sulzbach N, Winkler EC. “Trust me, I’m a data fiduciary”. EACME 2025 Annual Conference, 11.09.2024-13.09.2024, Universität Zürich, Zürich, Schweiz.
- 06.10.2025: Geibel SJ. “The Legal Concept of Fiduciary Relationships with Experts”. Wissenschaftliches Symposium: „Why Trust Matters — And How it Fails. Trust In Technology, Institutions, Communities, and Professions.” 06.10.2025, Camilla-und-Georg-Jellinek-Zentrum für Ethik, Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland.
- 26.11.2025: Kiefer L. „Treuhänder als Vertrauensinstanz: Datentreuhänder für die medizinische Forschung“. Research network „Trust in the context of healthcare technologies“, Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland.
Ergänzende Publikationen
- Ludewigs S, Narchi J, Kiefer L, Winkler EC. Ethics of the fiduciary relationship between patient and physician: the case of informed consent. Journal of Medical Ethics, 2025; 51:59-66. https://doi.org/10.1136/jme-2022-108539
- Winkler EC. Das Konzept der Treuhand und sein Wert für die Medizinethik. Fellowbericht Marsilius-Kolleg Jahresbericht 2019/2020, 2021; 19:172-180. https://doi.org/10.11588/fmk.2021.0.78682
- Geibel SJ, Ludewigs S, Narchi J, Winkler EC. Ärztliche Treuhänderschaft. Essay Marsilius-Kolleg Jahresbericht 2019/2020, 2021; 19:40-53. https://doi.org/10.11588/fmk.2021.0.78663
Prof. Dr. Dr. Eva C. Winkler
Institut für Medizin- und Datenethik (IMDE), Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg
Prof. Dr. Stefan J. Geibel
Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht (IGW), Juristische Fakultät, Universität Heidelberg
Lukas Kiefer
Institut für Medizin- und Datenethik (IMDE), Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg
Ann-Cathrin Maier
Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht (IGW), Juristische Fakultät, Universität Heidelberg